Erziehung
Praxis-Tipp: Ablenkungssituationen üben – am Beispiel Sitz
Autor: Ulrike Thurau
Der Entschluss ist gefasst, Ihr Hund soll das "Sitzenbleiben" lernen. Nachdem entsprechende Informationen zum Übungsaufbau eingeholt sind, man sich demnach im Klaren über die Umsetzung ist, wird damit begonnen, dem Hund etwas beizubringen. In diesem Fall soll der Hund das Signalwort "Sitz" erlernen.
Sich also auf das Wort "Sitz" hinsetzen und im besten Fall sitzen bleiben, bis er sich auf ein weiteres Signalwort hin wieder frei bewegen darf. Es wird sich Zeit genommen mit dem Hund zu üben. Dabei wird konsequent agiert und das unerlaubte Aufstehen umgehend korrigiert sowie das gewünschte Sitzenbleiben entsprechend gelobt. Bereits nach wenigen Versuchen klappt es wie gewünscht. In der darauf folgenden Zeit werden zahlreiche Wiederholungen der Übung "Sitz" zur Festigung durchgeführt. Der Hund ist interessiert bei der Sache und hat verstanden um was es dem Menschen geht. Kurzum das Signalwort "Sitz" sitzt.
Plötzliche Ablenkung des Menschen
Nun aber kommen nicht selten die Fallstricke des Alltags hinzu. Ein Beispiel: Beim täglichen Spaziergang klingelt das Handy, der Hund erhält noch schnell das Signal "Sitz" und der Anruf wird entgegen genommen. Während man in das Gespräch vertieft ist steht der Hund, ohne das entsprechende Signal erhalten zu haben, auf um am Wegesrand zu schnüffeln. Das Telefongespräch findet nach einigen Minuten sein Ende und der Spaziergang wird fortgesetzt. Plötzlich fällt es einem jedoch wieder ein, der Hund hatte doch das Signal "Sitz" und sich aus diesem ohne Erlaubnis gelöst. Folglich wird die Übung "Sitz" noch einmal korrekt durchgeführt. In einem anderen Fall zeigt sich die Situation wie folgt: Auf der Terrasse wiederholt Frauchen mit dem Hund die Übung "Sitz". Der Hund soll also sitzen bleiben bis er das Signal zum Aufheben des Sitzens erhält. Während dessen "Frauchen" sich daran macht die Pflanzen zu gießen und dabei die Nachbarin im Garten sieht. Die beiden unterhalten sich und der Hund begibt sich auf eine Erkundungstour durch den Garten. Nachdem das Gespräch beendet ist, fällt es "Frauchen" wieder ein, dass sie vor wenigen Minuten den Hund doch zum "Sitzen" aufgefordert hat. Daraufhin ruft Sie ihn zu sich, er kommt herbei geeilt und wird erneut zum "Sitzen" aufgefordert. Er tut dies artig, wird gelobt und nach kurzer Zeit wieder frei gegeben.
Der Hund macht Erfahrungen, die vom Menschen unbeabsichtigt sind
In diesen beiden Beispielfällen hat der Hund erfahren, dass Sitzenbleiben nur dann vom Menschen eingefordert wird, wenn dieser auf den Hund konzentriert und nicht durch etwas anderes abgelenkt ist. Die Erfahrung des Hundes:
- Ist der Mensch abgelenkt, rentiert sich das eigenständige Aufheben des Sitzens durchaus und es kann etwas Spannenderes unternommen werden.
- Ist der Mensch abgelenkt, fordert dieser nicht ein, dass das Signal weiter ausgeführt wird. Es scheint dem Menschen in solchen Situationen nicht so wichtig zu sein.
In den beiden Beispielfällen blieb das eigenständige Aufheben des Signals "Sitz" ohne direkte Korrektur durch den Menschen. Das erneute Durchführen der Übung "Sitz" ohne Ablenkung untermauert die zuvor erlangte Erfahrung des Hundes, wie folgt:
- Ist der Mensch konzentriert bei der Sache, ist das eigenständige Aufheben des Sitzens zwecklos, ist dieser jedoch abgelenkt, kann man sich wieder frei bewegen.
Wichtig ist es Situationen mit Ablenkung zu üben
Sinnvoller ist es daher, nachdem der Hund das Signal zum Sitzenbleiben in einer bestimmten Situation eigenständig beendet hat, derartige Situationen zu üben. Man bittet z.B. die Nachbarin erneut in den Garten, erteilt dem Hund das Signal zum Sitzen, unterhält sich zum Schein mit der Nachbarin und behält den Hund im Augenwinkel. Nun kann man direkt korrigieren, wenn der Hund sich wieder aufmachen möchte, das erhaltene Signal aufzulösen. In dem anderen Beispielfall lässt man sich zu einem festen Zeitpunkt anrufen, führt scheinbar ein interessantes Gespräch während man den Hund beim Sitzen im Auge behält, möchte er ohne Erlaubnis aufstehen, kann umgehend und erfolgreich entgegen gewirkt werden. Auch hier gilt, Wiederholungen festigen das Erlernte. Ist man dann einmal abgelenkt und der Hund indessen, wie gewünscht, sitzen geblieben, dann ist eine dicke Belohnung für den Vierbeiner fällig.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und stets beste Zeiten für Mensch und Hund.
