Beschäftigung und Freizeit
Teil 1 von 2: Dog Games – die alternative Beschäftigungsmöglichkeit
Autor: Marion Hussong-Albers
Neben der körperlichen Auslastung unserer Hunde ist auch die geistige Herausforderung sehr wichtig, um einen glücklichen und ausgeglichen Hund zu haben. Alle Hunde sind einst für eine bestimmte Aufgabe gezüchtet und genutzt worden. Ob es nun der Jagdhund, der Hütehund oder der Schutzhund ist. Auch unsere Mischlinge haben diesen „Arbeitswillen“ in sich. Mit Dog-Games lassen sich dieser Arbeitswille und die allgemeinen geistigen Fähigkeiten fördern und fordern.
Dog-Games können auf verschiedene Art und Weise eingesetzt werden:
- als Ausgleichs- und Zusatzprogramm zu den täglichen Gassi-Runden / sportlichen Aktivitäten
- für alte oder kranke Hunde, die ihre Energie nicht (mehr) in Bewegung umsetzen können
- als "Schlecht-Wetter-Programm"
Motivation der Hunde
Die oftmals größte Motivation unserer Hunde sind Leckerchen. Für diese macht so mancher unserer Fellnasen unmögliches möglich. Ein weiterer Motivator ist die Belohnung mit dem liebsten Spielzeug (Ball, Teddy, Beißwurst o.ä.). Und auch folgende Motivation ist nicht zu verachten: Aufgabenerfüllung um dem Menschen zu gefallen und „einfach nur“ geliebt, beachtet und gestreichelt zu werden.
Das Leckerchen
Der Trieb, an etwas leckeres, essbares zu Kommen, weckt in den meisten Hunden wahre Erfindungskünstler. Diese Motivation ist sehr praktisch, da ein paar Leckerchen schnell und gut überall hin mitzunehmen und gut griffbereit sind. Welche Leckerchen die „Besten“ sind, ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Bei manchen funktioniert es mit dem normalen Futter, andere hingeben hätten gern Exklusives um in die Gänge zu kommen z.B. Fleischwurst, Käse, Leber-Kekse oder handelsübliche Leckerchen.
Spieltrieb
Um an einen Ball zu kommen, würde so mancher Hund wirklich alles tun. Die Hunde unter uns, die dem Spieltrieb verfallen sind, lassen Fleischwurst für einen fliegenden Ball liegen. Dieses „Verlangen“ lässt sich prima als Motivation einsetzen. Der Spieltrieb hat so manchen Hunden ungewolltes Verhalten antrainiert … es hätten auch Tricks sein können …
Ein Beispiel:
Hündin Emma liebt alles, was sich werfen lässt. Geht sie spazieren, ist dies so lange möglich, bis andere Menschen getroffen werden. Emma weiß, dass ihre Menschen bei Gassi-Runden nichts werfen, doch die anderen werfen immer … tun sie es nicht … wird das Stöckchen/der Ball vor deren Füße abgelegt … tun sie es immer noch nicht … wird gebellt, bis der Mensch – aus der Sicht des Hundes – endlich verstanden hat, worum es hier geht.
Emma ist sehr kreativ, wenn es darum geht, an einen geworfenen Ball zu kommen. Nutzen Sie solche Kreativität für Dog-Games.
"Gefallen wollen"
Es gibt sie wirklich: Die Hunde, die alles tun, um ihrem Menschen zu gefallen. Übersetzen wir „gefallen wollen“, so nimmt sich der Hund seine Belohnung und somit seine Motivation aus Zuwendungen wie z.B. die Ansprache oder Streicheleinheiten.
Intensität der Belohung
Generell ist bei der Motivation darauf zu achten, dass besonders bei den Spieltrieb- und Leckerchen-Hunden die „Gier“ auf den Ball oder das Lecker nicht soooo groß ist, dass der Hund zwar alles dafür tut, jedoch vor lauter Gier gar nicht merkt, was er macht. Dies ist besonders dann der Fall, wenn mit Ball oder Leckerchen gelockt / geführt wird.
Soll der Hund auf ein Skateboard gehen und wird hierbei mit dem Ball oder einem Lecker gelockt / geführt, so kann es bei zu großer Gier passieren, dass der Hund zwar auf das Board geht, jedoch dies gar nicht registriert, da er Nase und Augen nur für das „Angebot“ hat.
Auch wenn diese Übung in dieser Art und Weise immer wieder trainiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass der Hund es nie von allein können wird.
It’s no trick – it’s a dog!
Eine Variante der Dog-Games sind Tricks / Kunststückchen.
- Es benötigt keine oder einfache Gegenstände / Hilfsmittel.
- Belohnung ist via Leckerchen oder alternativ mit Spielzeug möglich.
- Ort und Zeit sind frei wählbar.
- Tolle, kostengünstige Beschäftigungsmöglichkeit ohne Grenze für neue Ideen.
Socken ausziehen:
- Zunächst muss der Fuß samt Socken für den Hund interessant gemacht werden.
- Guckt der Hund zum Socken – WUNDERBAR! Schon gibt es ein Lecker.
- Der nächste Schritt ist, dass der Hund den Socken berührt. Klappt? – Prima! Noch ein Lecker verdient.
- Nun soll der Hund den Socken in die Schnauze nehmen. Gut gemacht? – Schön: Leckerchen
- Das nächste Lecker gibt es nur, wenn an dem Socken gezogen wird.
- Usw. usw.
Schäm dich:
- Um den Hund dazu zu bewegen, mit der Pfote seine Schnauze zu berühren hat sich ein lockeres Haarband oder ein Post-it sehr bewährt gemacht.
- Das Haarband wird über die Schnauze gestülpt; alternativ wird das Post-it seitlich an die Schnauze geklebt.
- Sobald der Hund mit der Pfote probiert den „Störenfried“ zu entfernen gibt es die Belohnung.
- Klappt es immer besser und berührt der Hund schon ohne „Störenfried“ mit der Pfote die Schnauze, um an das Leckerchen zu kommen so geben Sie ihm das Kommando dazu.
Reisverschluss öffnen
Hierzu empfiehlt sich ein Reißverschluss (einer Jacke oder einer größeren / schwereren Tasche) mit „Bändel“ , damit es dem Hund leichter fällt, das kleine „Ding“ in die Schnauze zu nehmen. Ähnlich wie beim Socken ausziehen, wird das Bändel am Reißverschluss zunächst interessant gemacht. Jeder kleine Fortschritt wird mit einem Leckerchen möglichst zeitnah bestätigt. Klappt das Öffnen perfekt, so lässt es sich zum staunen von Besuchern so ausbauen, dass der Hund auch einzeln die Ärmel nimmt, zieht und so komplett beim Ausziehen hilft.
Schublade öffnen
Wichtig: dieser Trick könnte für manche Hunde zum „Sesam öffne dich“ werden. Überlegen sie vorher ;-)
Das Prinzip ist wieder ähnlich wie beim Socken ausziehen. Zunächst wird das Interesse des Hunde auf die Schublade gelenkt usw. usw. Ist der Griff für den Hund nicht gut zu greifen, so dient ein Seil als Öffnungshilfe. Nun wieder Fortschritt für Fortschritt mit Lecker belohnen. Zum Öffnen gehört natürlich auch das Schließen der Lade. Dies ist für den Hund schwierig und ggf. auch frustrierend, da er vor der geöffneten Lade sitzt und nicht nachvollziehen kann, was von ihm erwartet wird.
Weitere Tricks:
Aufheben von Gegenständen
Aufräumen des Spielzeugs in eine Kiste
Lichtschalter bedienen mit der Pfote oder Schnauze
Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht Marion Hussong-Albers von www.b4animals.de
