Ohne Dolmetscher geht’s nicht
pet-group bedankt sich für diesen Fachbeitrag bei Ihrer Spezialistin für Pferd & Hund, Sabine Lang
Wie Pferd, Hund und Mensch ein harmonisches Team werden können
Teil 1: Gewöhnung zueinander durch Bodenarbeit
Wo Pferde sind, da sind Hunde meist nicht weit und wohl jeder Reiter und Hundehalter wünscht sich, dass beide ein harmonisches Team abgeben und einander verstehen. Viele Hundehalter haben auch Probleme wenn Ihnen ein Reiter entgegenkommt oder wenn sie beim Gassi gehen an einer Pferdekoppel vorbei müssen.
Ist es nicht selbstverständlich dass Pferde & Hunde miteinander auskommen?
Betrachtet man die natürlichen Verhaltensweisen, Bedürfnisse und das Ausdrucksverhalten der beiden Vierbeiner, erkennt man recht bald, dass hier zwei völlig verschiedene Arten, nämlich Raubtier (Jäger) und Fluchttier, oft auf engem Raum miteinander klarkommen sollen. Ganz abgesehen vom entspannten Ausritt zu dritt, ist dies natürlich auch im Hinblick auf die Sicherheit in der Stallgasse oder der Reitbahn durchaus wünschenswert. Doch um Entspannung und einen souveränen Umgang zwischen Pferd und Hund zu erreichen, ist der Mensch als Vermittler gefragt.
Eine Aufgabe, die nicht immer ganz leicht zu bewältigen ist, denn in der freien Natur würden beide nie miteinander zurechtkommen.
Solide Basisausbildung von Pferd und Hund getrennt muss sein
Um ein harmonisches, vertrauensvolles und positives Miteinander im Dreierteam zu erreichen, liegt natürlich der Grundstein für dieses Miteinander dennoch in einer soliden Basisausbildung von Hund und Pferd. Begriffe, wie „Sitz“, „Platz“, „Hierher“ oder „Fuß“ dürfen für einen Hund, der irgendwann einmal sicher und motiviert am Pferd gehen soll demnach keine Fremdworte sein.
Aber auch das Pferd sollte vor dem gemeinsamen Training Vertrauen zu „seinem“ Menschen aufgebaut und eine gewisse Gelassenheit (z.B. Bodenarbeit mit Gelassenheitstraining) gegenüber äußeren Einflüssen entwickelt haben. Ein separates Führtraining des Pferdes ist unerlässlich bevor der Hund ans Pferd genommen werden darf. Führt man beide zu schnell und ohne entsprechende Vorbereitung zusammen, kann es aufgrund des unterschiedlichen Ausdruckverhaltens schnell zu Missverständnissen bis hin zu Unfällen kommen. Diese negativen Erfahrungen sind im nach hinein je nach Persönlichkeit der Tiere oft schwer zu beseitigen.
Für den Menschen ist es wichtig, seinen Tieren durch Lob, Zuneigung (Positive Bestärkung), aber auch durch das Setzen von Grenzen eine gewisse Souveränität und dadurch auch Vertrauen und Sicherheit zu vermitteln, damit sowohl Pferd als auch Hund mit den verschiedensten Situationen gelassen umgehen können und neue Aufgaben motiviert und mit Begeisterung annehmen.
Die ersten Schritte zu dritt
Am sinnvollsten ist es natürlich, schon Fohlen und Welpen, wenn möglich mit erfahrenen und bereits gelassenen Pferden und Hunden zusammenzuführen und diese Phase der Neugier und Unvoreingenommenheit zu nutzen. Gerade hier ist es aber besonders wichtig, dass der Mensch die beiden während des Kennenlernens nicht aus den Augen lässt und einschreiten kann falls es zu Problemen kommt. Denn Unerfahrenheit im Umgang mit anderen Vierbeinern kann zu Fehlverhalten und im schlimmsten Fall zu Unfällen führen.
Die Gewöhnung aneinander beginnt natürlich nicht im Sattel sondern völlig entspannt vom Boden aus. Beispielsweise ist es sinnvoll einem Hund seinen Platz am Putzplatz zuzuweisen. Anfangs eignet sich hier eine Decke, die der Hund als Liegeplatz akzeptieren sollte und von der aus er beobachten kann was Herrchen oder Frauchen gerade treiben. Falls nötig sollte man den Vierbeiner zu Beginn anleinen.
Gemeinsam gehen
Wenn Hund und Pferd einander akzeptiert haben, kann damit begonnen werden beide gemeinsam mit Strick und Leine zu führen. Anfangs ist es hier sinnvoll zu zweit (mit Helfer) zu arbeiten, damit jedem Tier entsprechend Aufmerksamkeit geschenkt werden kann und man in der Lage ist, wichtige Körpersignale sofort zu erkennen und darauf zu reagieren. Der Mensch muss die unterschiedlichen Bedürfnisse, Verhalten und Ausdrucksverhalten von Pferd & Hund, sowie auch die verschiedenen Persönlichkeiten der Tiere berücksichtigen, um in der Ausbildung vorausschauend handeln zu können und durch Klarheit in der Kommunikation von den Tieren verstanden zu werden.
Beim Führen von Pferd und Hund, sollte man auf Schulter – beziehungsweise Halshöhe der Vierbeiner gehen. Durch diese Trennung (Aufsplitten) der beiden Vierbeiner sorgt der Mensch als Vermittler, dass die jeweilige Individualdistanz eingehalten wird. Es entsteht gegenseitiges Vertrauen und Respekt und dadurch Achtsamkeit.
Auch Basisübungen, wie zum Beispiel das Anhalten können in dieser Phase gemeinsam trainiert werden.
Es ist wichtig, dass die Tiere lernen auf beiden Seiten „ihres“ Menschen zu gehen. Gerade für spätere Ausritte ist es sinnvoll, dass der Reitbegleiter auf der rechten verkehrsabgewandten Seite gehen kann, um ihm dort die Sicherheit und den Schutz vor dem entgegenkommenden Verkehr, Passanten oder Artgenossen zu geben (Aufsplitten).
Sinnvoll sind vor allem die Bodenarbeitsübungen mit Geschicklichkeitshindernissen zu verbinden um den Spaßfaktor zu heben und gegebenenfalls den Jagd- und Hütetrieb am Pferd einzuschränken. Durch ein positives Miteinander entwickelt sich Freude und Wertschätzung in der Mensch-Pferd-Hund-Beziehung. Richtiges Timing im Loben und Grenzen setzen gibt Sicherheit und Geborgenheit in der sozialen Gemeinschaft.
Diese solide Basisausbildung von Pferd und Hund mit dem Menschen separat und gemeinsam in der Bodenarbeit, z.B. beim Spazierengehen und auch im Geschicklichkeitsparcours, ist der Grundstock um die weitere Ausbildung als verständlichen Reiter auf dem gelassenen Pferd mit dem Hund als treuer Begleiter zu einer harmonische Dreiecksbeziehung aufzubauen.
Sabine Lang

